Bau
Hornissennest entfernen in Österreich
Was ist erlaubt?
Hornissennest in der Mietwohnung? Erfahre alles über die strengen Naturschutzgesetze in Österreich, wer die Kosten trägt und wie du Strafen vermeidest.

Johannes Reichl
Einleitung
Wenn sich ein Hornissenstaat den Balkon oder den Dachboden eines Mietobjekts als Zuhause aussucht, ist die Verunsicherung bei Betroffenen oft groß. Was viele nicht wissen, In Österreich stehen Hornissen unter strengem Naturschutz. Ein eigenmächtiges Entfernen oder gar Zerstören des Nestes kann für Betroffene zu einem juristischen sowie finanziellen Desaster führen. Geldstrafen im fünfstelligen Bereich können drohen, wenn gegen die jeweiligen Landesnaturschutzgesetze verstoßen wird.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du als Vermieter:in sicher auf ein Hornissennest reagierst und welche Schritte für eine genehmigte Umsiedlung notwendig sind. Wir klären die Kostenfrage zwischen Vermietung und Mieterschaft und zeigen dir, warum ein Hornissennest unter Umständen sogar ein Vorteil für dein Objekt sein kann. Von der Meldung bei der Bezirksverwaltungsbehörde bis hin zur Abwendung von Mietminderungen erhältst du hier alle relevanten Informationen für den Sommer 2026.
Rechtliche Lage in Österreich – Artenschutz geht vor Eigentumsrecht
In Österreich unterliegen Hornissen den jeweiligen Naturschutzgesetzen der Bundesländer. Diese Gesetze stufen die Hornisse als besonders geschützte Tierart ein. Das bedeutet, dass es untersagt ist, die Tiere mutwillig zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Ebenso steht die Zerstörung ihrer Fortpflanzungs- und Ruhestätten unter Strafe. Ein Nest an der Fassade, im Rollladenkasten oder auf dem Dachboden darf daher nicht einfach entfernt werden, nur weil sich Mieter:innen dadurch gestört fühlen.
Ein Verstoß gegen diese Bestimmungen ist kein Kavaliersdelikt. Je nach Bundesland drohen bei illegalen Entfernungsaktionen empfindliche Geldbußen. In Niederösterreich oder der Steiermark können diese Strafen im Extremfall bis zu 15.000 Euro betragen. Für dich als Vermieter:in bedeutet das, dass du jede Maßnahme vorab behördlich prüfen lassen musst. Eine Ausnahme vom Tötungs- und Entfernungsverbot wird i.d.R. nur dann erteilt, wenn eine unmittelbare Gefahr für die Sicherheit von Menschen besteht und keine andere zumutbare Lösung, wie etwa eine Absperrung des Bereichs, möglich ist.
Vergleich der Rechtslage bei Hornissen und Wespen
Die folgende Tabelle verdeutlicht die rechtlichen Unterschiede bei der Behandlung von Insektennestern in Österreich.
Merkmal | Hornissen | Gewöhnliche Wespen |
|---|---|---|
Schutzstatus | Besonders geschützt (Landesgesetze) | Allgemeiner Artenschutz, je nach Art unterschiedliche Schutzintensität |
Nestentfernung | Nur mit Ausnahmegenehmigung erlaubt | Je nach Landesrecht meist bei begründetem Interesse möglich |
Zuständige Behörde | Bezirksverwaltungsbehörde (Naturschutz) | Meist keine Genehmigung nötig |
Strafrahmen | Sehr hoch (bis zu 15.000 EUR) | Mittel bis hoch |
Da Hornissen im Vergleich zu Wespen deutlich friedlicher sind und zudem unter Artenschutz stehen, fordern die Behörden in Österreich oft die Duldung des Nestes bis zum Herbst. Ein Hornissenstaat stirbt im Oktober oder November ohnehin ab und das Nest wird im Folgejahr nicht wieder besiedelt. Wenn die Mieter:innen jedoch allergisch sind oder kleine Kinder im Haushalt leben, kann dies die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung erleichtern.
Lesetipp: Was beim Wespennest erlaubt ist und was nicht
Wichtig: Dokumentiere jede Mängelanzeige deiner Mieter:innen sofort und weise sie schriftlich auf den gesetzlichen Artenschutz hin. Dies schützt dich vor dem Vorwurf der Untätigkeit und verhindert, dass Mieter:innen in Eigenregie handeln und dich später für die resultierenden Strafen oder Schäden haftbar machen möchten.
Zuständigkeit und Kosten – Wer zahlt die Umsiedlung?
In Österreich kann ein Hornissennest an oder in der Mietwohnung rechtlich einen Mangel der Mietsache darstellen. Da die Anwesenheit der Insekten die Nutzung der Wohnung, des Balkons oder des Gartens erheblich einschränken kann, liegt die Beseitigungspflicht häufig bei der Vermieterseite. Du bist im Rahmen deiner Erhaltungspflicht dazu angehalten, den vertragsgemäßen Zustand der Immobilie wiederherzustellen. Das bedeutet, dass du in bestimmten Fällen sowohl die Organisation als auch die Bezahlung der fachgerechten Umsiedlung oder Entfernung übernehmen musst.
Die Kosten für einen professionellen Einsatz hängen stark von der Erreichbarkeit des Nestes ab. Eine einfache Umsiedlung eines frei hängenden Nestes ist meist günstiger als eine aufwendige Bergung aus einem Rollladenkasten oder einer Dachschräge. Im Durchschnitt solltest du mit Beträgen zwischen 150 und 400 Euro rechnen. Diese Kosten beinhalten in der Regel die Anfahrt, die fachgerechte Bergung der Königin und des Volkes sowie den Transport an einen sicheren Ort in der Natur.
Kostenübersicht für die Nestbeseitigung in Österreich
Die folgende Tabelle gibt dir eine Orientierung über die üblichen Preisspannen für professionelle Dienstleistungen im Jahr 2026.
Leistung | Geschätzte Kosten (brutto) | Besonderheiten |
|---|---|---|
Beratung vor Ort | 50 bis 80 EUR | Prüfung der Art und der Gefährdungslage. |
Einfache Umsiedlung | 150 bis 250 EUR | Nest ist frei zugänglich (z.B. Dachboden). |
Erschwerte Entfernung | 300 bis 500 EUR | Einsatz von Hebebühnen oder Öffnen von Verkleidungen. |
Behördenmanagement | oft inkludiert | Einholung der notwendigen Ausnahmegenehmigung. |
Ein wichtiger Punkt für die Buchhaltung ist die steuerliche Behandlung. Die Kosten für die Schädlingsbekämpfung oder Umsiedlung können, je nach deiner individuellen Situation, bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung als Erhaltungsaufwand als Werbungskosten abgesetzt werden. Eine Umlage auf die Mieter:innen über die jährliche Betriebskostenabrechnung ist hingegen fast nie zulässig. Da es sich um ein einmaliges Ereignis handelt, das der Instandhaltung des Gebäudes dient, fehlt die für Betriebskosten notwendige Eigenschaft der Regelmäßigkeit.
Lesetipp 1: Wer bei Schädlingsbefall den Kammerjäger zahlt
Lesetipp 2: Welche Kosten überhaupt umlagefähig sind
Wichtig: Versuche niemals, die Kosten auf die Mieter:innen abzuwälzen, wenn diese den Befall ordnungsgemäß gemeldet haben. Ein Kostenersatzanspruch gegen die Mieterschaft kommt nur in außergewöhnlichen Einzelfällen in Betracht. In der Praxis bleibt die Rechnung fast immer bei der Vermieterseite.
Der Behördenweg und die Rolle der Feuerwehr
Wenn du ein Hornissennest an deinem Mietobjekt entdeckst, darf der erste Weg niemals zum Giftspray führen. Stattdessen ist die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde (Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat) der entscheidende Schritt. Dort sitzt die Naturschutzabteilung, die über eine mögliche Ausnahme vom Entfernungsverbot entscheidet. In vielen Fällen schickt die Behörde eine Expertin oder einen Experten zur Begutachtung vor Ort, um festzustellen, ob eine Umsiedlung technisch machbar und rechtlich notwendig ist.
Ein weit verbreiteter Irrtum ist der Glaube, dass die Feuerwehr für die Entfernung von Insektennestern zuständig ist. In Österreich rückt die Feuerwehr bei Hornissen oder Wespen nur dann aus, wenn eine unmittelbare Gefahr für das Leben oder die Gesundheit von Menschen besteht. Das ist beispielsweise der Fall, wenn sich das Nest in einem Kindergarten, einem Krankenhaus oder in der Wohnung einer hochgradig allergischen Person befindet. Ob die Feuerwehr darüber hinaus tätig wird, richtet sich nach den örtlichen Einsatzrichtlinien. Liegt keine solche Notsituation vor, wird dich die Feuerwehr meist an private Fachfirmen verweisen.
Feuerwehr oder Fachbetrieb – Wer ist wann zuständig?
Die folgende Übersicht hilft dir bei der Entscheidung, wen du im Falle eines Hornissenbefalls kontaktieren solltest.
Kriterium | Freiwillige Feuerwehr / Berufsfeuerwehr | Professionelle Schädlingsbekämpfung |
|---|---|---|
Einsatzgrund | Akute Lebensgefahr oder Gefahr im Verzug. | Planbare Entfernung oder Umsiedlung. |
Kosten | Oft kostenpflichtig, wenn keine Notlage vorlag. | Festpreis nach Besichtigung und Aufwand. |
Vorgehensweise | Gefahrenabwehr nach konkreter Gefahrenlage | Bevorzugt ökologische Umsiedlung des Volkes. |
Genehmigung | Handelt im Notfall ohne Vorab-Bescheid. | Benötigt zwingend die behördliche Erlaubnis. |
Sollte die Feuerwehr ausrücken, ohne dass eine echte Notlage bestand, musst du mit einer Rechnung für den technischen Einsatz rechnen. Diese Kosten liegen oft deutlich über den Tarifen eines privaten Dienstleisters. Es ist daher wirtschaftlich sinnvoller, bei einer normalen Belästigung direkt ein spezialisiertes Unternehmen für die Umsiedlung zu beauftragen.
Tipp: Viele Naturschutzvereine oder Imkerverbände in Österreich bieten Beratungen an und führen Umsiedlungen oft kostengünstiger durch als große Schädlingsbekämpfungsfirmen. Eine kurze Anfrage bei der örtlichen Berg- oder Naturwacht kann dir hier wertvolle Kontakte vermitteln und die Kosten für dein Projekt senken.
Mietminderung abwenden – Schnelles Handeln sichert die Mieteinnahmen
Ein Hornissennest kann für Mieter:innen eine erhebliche psychische Belastung darstellen, auch wenn die Tiere objektiv friedlich sind. Sobald dir der Befall gemeldet wird, solltest du die Mieterschaft schriftlich über die nächsten Schritte informieren. Weise dabei ausdrücklich auf die gesetzliche Wartefrist für die behördliche Genehmigung hin. Wenn du nachweisen kannst, dass du dich umgehend um eine Lösung bemühst, reduziert das das Risiko einer berechtigten Mietzinsminderung erheblich.
Die Minderung der Miete ist in Österreich nur dann zulässig, wenn der Gebrauch der Wohnung wesentlich beeinträchtigt ist. Solange die Hornissen lediglich im Außenbereich fliegen und die Wohnung normal genutzt werden kann, ist eine Kürzung der Miete meist nicht gerechtfertigt. Kritisch wird es erst, wenn die Insekten durch undichte Fensterrahmen oder Lüftungsschächte in die Wohnräume gelangen. Hier musst du sofort handeln, um die Bewohnbarkeit zu garantieren und finanzielle Einbußen zu verhindern.
Informationspflicht – Teile den Mieter:innen mit, dass die Behörde verständigt wurde und Hornissen unter Schutz stehen.
Sicherungsmaßnahmen – Biete gegebenenfalls das Anbringen von Fliegengittern als temporäre Lösung an, um den Einflug in die Wohnung zu stoppen.
Fachliche Aufklärung – Hornissen interessieren sich im Gegensatz zu vielen Wespenarten nur selten für Lebensmittel.
Lesetipp: Wie hoch eine Mietzinsminderung ausfallen darf
Wichtig: Sollten Mieter:innen eigenmächtig ein Hornissennest zerstören, drohen ihnen die gleichen hohen Strafen wie dir. Es liegt in deinem Interesse, sie vorab über die Rechtslage aufzuklären. Ein Hinweis auf das Naturschutzgesetz im Antwortschreiben auf die Mängelrüge wirkt hier oft Wunder und schützt beide Parteien vor juristischem Ärger.
Fazit – Rechtssicherheit durch besonnenes Handeln im Hornissenfall
Der Umgang mit einem Hornissennest erfordert von Vermieter:innen in Österreich Fingerspitzengefühl und eine genaue Kenntnis der Rechtslage. Da der Artenschutz hier oft schwerer wiegt als die reine Bequemlichkeit der Mieterschaft, ist der behördliche Weg alternativlos. Indem du den Befall umgehend meldest und eine professionelle Umsiedlung einleitest, schützt du dich vor drakonischen Geldstrafen und erfüllst gleichzeitig deine Erhaltungspflicht. Eine transparente Kommunikation mit den Mieter:innen hilft zudem dabei, Ängste abzubauen und unberechtigte Mietzinsminderungen erfolgreich abzuwehren. Letztlich zeigt ein professionelles Management dieses sommerlichen Problems, dass du deine Immobilie verantwortungsbewusst und rechtssicher führst.
Häufig gestellte Fragen zu diesem Thema
Hier findest du alle Antworten auf die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.
Darf ich ein Hornissennest im Winter selbst entfernen, wenn es leer ist?
Was passiert, wenn die Mieter:innen trotz Verbot selbst zum Gift greifen?
Zahlt die Gebäudeversicherung die Kosten für die Nestentfernung?
Wie erkenne ich den Unterschied zwischen einem Hornissen- und einem Wespennest?
Muss ich ein Nest auch dann entfernen lassen, wenn es niemanden stört?
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