Bau
Wespennest entfernen in Österreich – Was ist erlaubt?
Wespennest im Garten oder am Haus? Wer übernimmt die Kosten? Erfahre, wann du ein Nest entfernen darfst, welche Strafen drohen und wie du richtig handelst.

Johannes Reichl
Schnellüberblick gefällig?
Du willst nur die häufigsten Fragen & Antworten sehen? Spring direkt zum FAQ am Ende des Artikels.
Du möchtest den Sommer auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten genießen, doch plötzlich summt es verdächtig. Spätestens, wenn du ein Wespennest am Haus, im Rollladenkasten oder unter dem Dachstuhl entdeckst, ist es mit der Ruhe vorbei. Die gestreiften Insekten können beim gemütlichen Nachmittagskaffee oder Grillabend schnell zur echten Geduldsprobe werden. Doch darfst du das Wespennest einfach so entfernen?
Bevor du jetzt zu drastischen Mitteln wie Wasser oder gar Feuer oder Gift greifst, solltest du kurz durchatmen. In Österreich gelten beim Umgang mit Wespen strenge Regeln. Ein unüberlegtes Handeln schadet nicht nur der Natur, sondern kann auch für deine Geldbörse extrem teuer werden. In diesem Ratgeber erfährst du, wie du richtig reagierst, wer für die Kosten aufkommt und wie du wieder zu deinem wohlverdienten, insektenfreien Sommer kommst.
Wespen in Österreich: Was sagt das Gesetz?
Bevor du irgendwas unternimmst, ist eines wichtig zu wissen: In Österreich gelten beim Umgang mit Wespen naturschutzrechtliche Vorgaben, die je nach Bundesland unterschiedlich ausgestaltet sind. Das eigenmächtige Töten von Wespen oder die Zerstörung von Nestern kann daher rechtliche Konsequenzen haben. Vor einer Entfernung sollte abgeklärt werden, welche Regelungen im jeweiligen Bundesland gelten. Das bedeutet, dass du weder Wespen töten noch ihre Nester eigenmächtig zerstören darfst. Das gilt grundsätzlich auch dann, wenn dich das Nest besonders nervt. Wer dagegen verstößt, riskiert empfindliche Strafen, je nach Bundesland.
Bei einzelnen Arten, wie der Deutschen Wespe und der Gemeinen Wespe, gibt es, nach den naturschutzrechtlichen Vorschriften des jeweiligen Bundeslandes, allerdings eine wichtige Ausnahmen: Eine Entfernung ist dann zulässig, wenn eine konkrete Gefahr besteht. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Allergiker oder Kinder im Haushalt leben, das Nest einen wichtigen Zugang zum Haus blockiert oder die normale Nutzung der Wohnung erheblich beeinträchtigt wird. Liegt kein solcher triftiger Grund vor, ist eine Entfernung nur nach Rücksprache mit der zuständigen Naturschutzbehörde oder der Gemeinde erlaubt.
Wichtig: Bevor du handelst, prüfe immer, ob es sich wirklich um ein Wespennest handelt. Hornissen und Bienennester sehen auf den ersten Blick ähnlich aus, und die rechtlichen Konsequenzen bei einer Verwechslung sind erheblich.
Wann ist das Entfernen eines Wespennestes wirklich sinnvoll?
Nicht jedes Wespennest ist automatisch ein Problem. Ob du wirklich handeln musst, hängt vor allem davon ab, wo sich das Nest befindet und wie sehr es deinen Alltag tatsächlich einschränkt.
Grundsätzlich gilt, ein Wespennest, das sich an einer ruhigen Stelle im Garten, hoch oben am Dachstuhl oder in einem selten genutzten Schuppen befindet, ist in den meisten Fällen kein Grund zur Panik. Wespen suchen ihre Nahrung nämlich nicht zwingend in unmittelbarer Nestnähe. Wer das Nest in Ruhe lässt, wird von den Tieren in der Regel auch in Ruhe gelassen.
Hinzu kommt ein weiterer, oft übersehener Aspekt, Wespenstaaten sind saisonal. Mit dem ersten Frost im Herbst stirbt das gesamte Volk ab, und das Nest wird danach nie wieder von Wespen besiedelt. Wer also keine unmittelbare Gefahr im Verzug hat, kann das Nest oft einfach aussitzen und es nach dem Winter problemlos selbst entfernen.
Handlungsbedarf besteht hingegen, wenn:
das Nest direkt an einem Hauseingang, einer Terrasse oder einem Kinderspielbereich sitzt,
Personen im Haushalt eine Wespengiftallergie haben,
das Nest in einem Hohlraum wie einem Rollladenkasten oder einer Wandverkleidung liegt und die Wespen ins Hausinnere eindringen könnten.
In diesen Fällen solltest du nicht lange zögern und direkt Fachleute kontaktieren.
Wer zahlt die Wespennestentfernung?
Sobald feststeht, dass das Nest entfernt werden muss, stellt sich für viele Betroffene schnell die nächste Frage: Wer kommt eigentlich für die Kosten auf?
In der Vermietung hängt die Kostenfrage davon ab, wo genau sich das Nest befindet und ob eine Gefahr vorliegt. Befindet sich das Wespennest in einem Teil des Gebäudes oder beeinträchtigt es die Gebrauchstauglichkeit der Mietwohnung erheblich, für den du als Vermieter:in oder die Instandhaltungspflicht trägt, etwa im Dachstuhl, im Keller oder in der Außenfassade, dann bist grundsätzlich du zuständig, die Schädlingsbekämpfung zu veranlassen und zu bezahlen. In den meisten Fällen, sind aber die Kosten durch dich als Vermieter:in zu tragen. Ob die Kosten auf Mietende überwälzt werden können, richtet sich insbesondere nach dem Anwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes und den vertraglichen Vereinbarungen.
Ein professioneller Kammerjäger verlangt für die Entfernung eines Wespennestes je nach Aufwand, Lage und Nestgröße zwischen 80 und 300 Euro. Bei schwer zugänglichen Stellen, etwa tief im Dachstuhl oder hinter einer Wandverkleidung, kann der Preis auch darüber liegen.
Tipp: Prüfe, ob deine Haushalts oder Gebäudeversicherung Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen abdeckt. Einige Policen übernehmen zumindest einen Teil der Kosten, wenn nachweislich eine Gefährdung vorlag.
Situation | Richtige Anlaufstelle | Kosten |
|---|---|---|
Akuter Notfall (Allergie, Kinder in Gefahr) | Feuerwehr (Notruf 122) | Meist kostenlos oder geringe Gebühren |
Störendes Nest ohne unmittelbare Gefahr | Schädlingsbekämpfung | 80 bis 300 Euro |
Nest in öffentlichem Bereich | Gemeinde oder Bezirksverwaltung | Kostenlos |
Bienen oder Hornissennest | Imkerin bzw. Imker oder Naturschutzbehörde | Oft kostenlos oder günstig |
Was du auf keinen Fall tun solltest
Wenn ein Wespennest entdeckt wird, ist der erste Impuls oft, das Problem schnell und selbst aus der Welt zu schaffen. Verständlich, aber in den meisten Fällen kontraproduktiv und gefährlich. Die drei häufigsten Fehler im Überblick:
Wespennest anzünden: Wespennester bestehen aus zerkauten Holzfasern und brennen extrem leicht und unkontrolliert. Ein Brand kann sich rasch auf umliegende Materialien ausbreiten. Dazu kommt, dass das Feuer bzw. der Rauch die Wespen nicht abtötet, sondern sie in einen aggressiven Abwehrmodus versetzt. Das Ergebnis ist ein wütendes Volk auf der Suche nach dem Angreifer.
Wespennest mit Wasser oder Hochdruckreiniger besprühen: Wasser entfernt kein Wespennest. Es macht die Tiere aggressiv und kann, je nach Lage des Nestes, erhebliche Schäden am Gebäude verursachen, etwa aufgequollene Holzbalken oder beschädigte Dämmung.
Nest zerschlagen: Wer mit einem Stock, Schläger oder ähnlichem Werkzeug auf ein Wespennest einschlägt, riskiert zahlreiche Stiche in kürzester Zeit. Wespen reagieren auf Erschütterungen sofort und massiv.
Methode | Warum gefährlich? | Funktioniert es? |
|---|---|---|
Anzünden | Brandgefahr, Wespen werden aggressiv | Nein |
Wasser oder Hochdruck | Gebäudeschäden, aggressive Gegenreaktion | Nein |
Zerschlagen | Hohes Stichrisiko durch direkten Kontakt | Nein |
Zugänge verstopfen | Wespen fressen sich ins Hausinnere durch | Nein |
Keine dieser Methoden löst das Problem, sie verschlimmern es eher. Der einzige wirklich sichere Weg ist, Fachleute hinzuzuholen.
Wespennester vorbeugen: So machst du dein Zuhause unattraktiv
Der beste Umgang mit einem Wespennest ist, erst gar keines entstehen zu lassen. Wespen beginnen im Frühjahr, meist ab April, mit dem Nestbau. Genau das ist der richtige Zeitpunkt, um potenzielle Nistplätze unattraktiv zu machen.
Wespen bevorzugen geschützte, dunkle Hohlräume. Rollladenkästen, offene Dachsparren, Lücken in der Fassade oder ungenutzte Gartenhäuschen sind klassische Kandidaten. Wer diese Stellen im Frühjahr konsequent abdichtet oder regelmäßig kontrolliert, kann dem Nestbau effektiv vorbeugen.
Ein weiterer, oft unterschätzter Trick: Attrappen-Nester. Wespen sind territorial und meiden Bereiche, in denen bereits ein anderes Volk sesshaft ist. Im Handel erhältliche Kunstnester oder selbst gebastelte Attrappen aus Papier können Wespen davon abhalten, sich in der Nähe niederzulassen. Die Wirksamkeit ist zwar nicht wissenschaftlich belegt, viele Betroffene berichten aber von positiven Erfahrungen.
Darüber hinaus helfen einige natürliche Mittel dabei, Wespen auf Abstand zu halten. Nelkenöl, Lavendel und Kaffeepulver gelten als natürliche Abschreckungsmittel und können an neuralgischen Stellen auf der Terrasse oder dem Balkon platziert werden. Sie ersetzen keine professionelle Maßnahme, können aber als ergänzende Vorbeugung sinnvoll sein.
Häufig gestellte Fragen zu diesem Thema
Hier findest du alle Antworten auf die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.
Darf ich ein Wespennest in Österreich selbst entfernen?
Was passiert, wenn ich ein Wespennest illegal entferne?
Wann verschwinden Wespen von selbst?
Wer zahlt die Wespennestentfernung bei einer Mietwohnung?
Ist die Feuerwehr für Wespennester zuständig?
Du möchtest keine Artikel mehr verpassen?
Melde dich jetzt bei unserem Newsletter an.
Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Rechtsberatung im Einzelfall dar. Bitte wende dich bei rechtlichen Fragen oder individuellen Anliegen an eine qualifizierte Rechtsberatung. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen übernommen werden. Eine Haftung für direkte oder indirekte Schäden, die aus der Nutzung der Informationen entstehen, ist, soweit zulässig, ausgeschlossen. Weitere Hinweise und der vollständige Haftungsausschluss sind im Impressum einsehbar.







