Vermietung
Wohnung streichen vor Vermietung
Wann es sich wirklich lohnt
Solltest du eine Wohnung vor der Vermietung streichen? Tipps für Vermieter zu Kosten, Nutzen und wann ein neuer Anstrich wirklich sinnvoll ist.

Johannes Reichl
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Nach dem Auszug von Mieter:innen stellt sich für viele Vermieter:innen eine ganz praktische Frage. Sollte die Wohnung vor der nächsten Vermietung noch einmal gestrichen werden oder reicht der aktuelle Zustand der Wände aus?
Ein neuer Anstrich kann eine Wohnung deutlich aufwerten. Helle, saubere Wände lassen Räume größer, gepflegter und einladender wirken. Gerade bei Besichtigungen spielt dieser erste Eindruck eine wichtige Rolle. Gleichzeitig bedeutet Streichen aber auch Aufwand und Kosten, die nicht in jedem Fall notwendig sind.
Viele Wohnungen werden zwischen zwei Mietverhältnissen automatisch neu gestrichen, obwohl es eigentlich gar nicht nötig wäre. In anderen Fällen wäre ein frischer Anstrich sinnvoll gewesen, um Gebrauchsspuren zu beseitigen oder auffällige Wandfarben zu neutralisieren.
In diesem Artikel erfährst du, wann sich das Streichen einer Wohnung vor der Vermietung wirklich lohnt, welche Farben sich besonders gut eignen und worauf Vermieter:innen bei der Entscheidung achten sollten.
Wann ein neuer Anstrich vor der Vermietung sinnvoll ist
Nicht jede Wohnung muss vor einer neuen Vermietung automatisch gestrichen werden. In vielen Fällen reicht es aus, kleinere Gebrauchsspuren auszubessern oder einzelne Stellen zu überarbeiten. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein neuer Anstrich deutlich sinnvoll ist.
Gerade wenn mehrere Mietperioden vergangen sind oder die Wände sichtbare Spuren der Nutzung zeigen, kann frische Farbe den Zustand der Wohnung deutlich verbessern. Der Aufwand ist vergleichsweise überschaubar, der Effekt bei Besichtigungen jedoch oft groß.
Lesetipp: Sammelbesichtigung oder Einzeltermin – was ist besser für Vermieter?
Nach stark genutzten Mietperioden
Nach einigen Jahren Nutzung entstehen an Wänden fast immer Gebrauchsspuren. Möbel werden verschoben, Bilder aufgehängt oder Wände stoßen an stark frequentierten Stellen an.
Typische Beispiele sind:
🪛 Bohrlöcher von Regalen oder Bildern
🖐 dunkle Stellen durch Möbel oder häufiges Berühren
🧱 kleine Beschädigungen oder Abnutzung an Ecken
Wenn solche Spuren in mehreren Räumen sichtbar sind, wirkt eine Wohnung schnell ungepflegt. Ein neuer Anstrich sorgt hier meist für ein deutlich besseres Gesamtbild.
Bei auffälligen Wandfarben
Ein weiterer häufiger Grund für einen neuen Anstrich sind sehr individuelle Wandfarben. Manche Mieter:innen streichen einzelne Räume in kräftigen Farben wie Rot, Blau oder Grün.
Während solche Farben für die vorherigen Bewohner passen können, erschweren sie oft die Neuvermietung. Interessent:innen können sich in neutralen Räumen meist leichter vorstellen, selbst dort zu wohnen.
In solchen Fällen lohnt es sich, die Wände wieder in eine helle und neutrale Farbe zu streichen.
Nach längerer Zeit ohne Renovierung
Auch wenn eine Wohnung über mehrere Jahre hinweg nicht gestrichen wurde, kann ein neuer Anstrich sinnvoll sein. Selbst wenn keine großen Schäden sichtbar sind, verlieren Wände mit der Zeit an Frische.
Leichte Verfärbungen, kleine Flecken oder unterschiedliche Farbtöne fallen bei Besichtigungen oft stärker auf als im Alltag.
Ein frischer Anstrich sorgt hier schnell dafür, dass die Wohnung wieder gepflegt und modern wirkt.
Wann Streichen nicht unbedingt notwendig ist
Ein neuer Anstrich kann den Eindruck einer Wohnung deutlich verbessern. Trotzdem ist es nicht in jedem Fall notwendig, vor einer Neuvermietung alle Wände zu streichen. In vielen Situationen reicht es aus, kleinere Stellen auszubessern oder die Wände gründlich zu reinigen.
Gerade wenn die Wohnung noch relativ frisch renoviert wurde oder die Wände nur leichte Gebrauchsspuren aufweisen, kann ein kompletter Anstrich unnötig sein.
Wenn die Wände noch in gutem Zustand sind
Leichte Gebrauchsspuren gehören in einer Mietwohnung zum normalen Alltag. Kleine Bohrlöcher, minimale Verfärbungen oder leichte Abnutzung bedeuten nicht automatisch, dass die gesamte Wohnung neu gestrichen werden muss.
Oft reicht es aus, einzelne Stellen auszubessern oder kleine Schäden zu reparieren. Dazu können zum Beispiel gehören:
🧱 Bohrlöcher verspachteln
🎨 einzelne Wandbereiche nachstreichen
🧼 Wände reinigen oder Flecken entfernen
Wenn der Gesamteindruck der Räume weiterhin gepflegt wirkt, ist ein kompletter Neuanstrich häufig nicht notwendig.
Wenn die Wohnung erst vor kurzer Zeit renoviert wurde
Auch wenn eine Wohnung erst vor wenigen Jahren gestrichen wurde, kann der bestehende Anstrich oft noch problemlos weiter genutzt werden. Gerade in Wohnungen mit geringer Nutzung bleiben Wände oft lange in gutem Zustand.
In solchen Fällen lohnt es sich, die Räume genau zu prüfen, bevor du automatisch einen neuen Anstrich planst. Manchmal genügt es, nur einzelne Räume oder stärker beanspruchte Wände zu überarbeiten.
Das spart Zeit und Kosten, ohne dass die Wirkung der Wohnung bei Besichtigungen darunter leidet.
Welche Farben sich für Mietwohnungen am besten eignen
Wenn du dich entscheidest, eine Wohnung vor der Vermietung zu streichen, spielt die Wahl der Farbe eine wichtige Rolle. Die Wandfarbe beeinflusst stark, wie Räume wirken und welchen Eindruck Interessent:innen bei einer Besichtigung bekommen.
In Mietwohnungen haben sich vor allem neutrale und helle Farbtöne bewährt. Sie wirken freundlich, zeitlos und passen zu den meisten Einrichtungsstilen.
Neutrale und helle Farben
Die sicherste Wahl für Mietwohnungen sind klassische Weißtöne oder sehr helle, neutrale Farben. Sie lassen Räume sauber und gepflegt wirken und bieten Interessent:innen eine neutrale Grundlage für ihre eigene Einrichtung.
Typische Beispiele sind:
🎨 Weiß oder Off-White
🏠 sehr helles Grau
🌿 warme Beige- oder Sandtöne
Diese Farben wirken ruhig, modern und passen zu fast allen Bodenbelägen und Möbeln.
Farben, die Räume größer wirken lassen
Helle Farben haben einen weiteren Vorteil. Sie lassen Räume oft größer und heller wirken. Gerade in kleineren Wohnungen oder in Räumen mit wenig Tageslicht kann das einen großen Unterschied machen.
Dunkle oder sehr kräftige Farben können dagegen schnell erdrückend wirken und erschweren es Interessent:innen, sich den Raum neutral vorzustellen.
Deshalb entscheiden sich viele Vermieter:innen bewusst für helle und unaufdringliche Farben. Sie schaffen eine neutrale Grundlage und erhöhen die Chancen, dass die Wohnung bei Besichtigungen gut ankommt.
Tipp: Wenn du unsicher bist, ist ein warmer Weißton meist die sicherste Wahl. Er wirkt wohnlich und passt zu fast jedem Bodenbelag und Einrichtungsstil.
Was kostet es, eine Wohnung streichen zu lassen?
Wenn du eine Wohnung vor der Vermietung streichen möchtest, stellt sich natürlich auch die Frage nach den Kosten. Diese hängen vor allem von der Größe der Wohnung, dem Zustand der Wände und davon ab, ob du selbst streichst oder einen Malerbetrieb beauftragst.
In vielen Fällen lohnt sich ein kurzer Kostenvergleich. Während Selberstreichen günstiger ist, kann ein professioneller Anstrich schneller und oft auch gleichmäßiger sein.
Selber streichen
Viele Vermieter:innen entscheiden sich dafür, eine Wohnung selbst zu streichen. Gerade bei kleineren Wohnungen oder einzelnen Räumen kann das eine kostengünstige Lösung sein.
Typische Kosten entstehen vor allem durch Material:
🪣 Farbe
🖌 Rollen und Pinsel
🧻 Abdeckfolie und Klebeband
🪜 eventuell eine Leiter
Je nach Qualität der Farbe liegen die Materialkosten für eine durchschnittliche Wohnung oft im Bereich von etwa 100 bis 300 Euro.
Der größte Aufwand liegt dabei in der Zeit. Vorbereitung, Abkleben und mehrere Anstriche können schnell einen ganzen Tag oder ein Wochenende in Anspruch nehmen.
Professionelle Malerarbeiten
Alternativ kannst du die Arbeiten auch von einem Malerbetrieb durchführen lassen. Das ist deutlich komfortabler, verursacht aber höhere Kosten.
Die Preise hängen stark von Region, Wohnungsgröße und Zustand der Wände ab. Für eine durchschnittliche Wohnung kann man grob mit folgenden Richtwerten rechnen:
🏠 kleine Wohnung (ca. 40–60 m²): etwa 800 bis 1.200 Euro
🏠 mittlere Wohnung (ca. 70–90 m²): etwa 1.200 bis 2.000 Euro
🏠 größere Wohnung: entsprechend mehr
Dafür erhältst du in der Regel ein professionelles Ergebnis und sparst dir den eigenen Arbeitsaufwand.
Wichtig: Wenn Wände vorher gespachtelt oder stark ausgebessert werden müssen, können zusätzliche Kosten entstehen.
Häufige Fehler beim Streichen vor der Vermietung
Auch beim Streichen einer Wohnung können Vermieter:innen einige typische Fehler machen. Oft geht es dabei nicht nur um die Farbe selbst, sondern auch um Vorbereitung, Materialwahl oder den Zeitpunkt der Renovierung.
Wenn diese Punkte nicht beachtet werden, kann das Ergebnis schnell ungleichmäßig wirken oder die Wohnung verliert trotz frischem Anstrich an Wirkung.
Zu billige Farbe verwenden
Ein häufiger Fehler besteht darin, sehr günstige Wandfarbe zu kaufen. Diese deckt oft schlechter und erfordert mehrere Anstriche.
Das führt dazu, dass mehr Farbe benötigt wird und der Arbeitsaufwand steigt. Außerdem können günstige Farben schneller Flecken bekommen oder weniger robust sein.
Für Mietwohnungen lohnt es sich deshalb meist, eine Farbe mit guter Deckkraft zu wählen. Das spart Zeit beim Streichen und sorgt für ein gleichmäßigeres Ergebnis.
Schlechte Vorbereitung der Wände
Viele Probleme beim Streichen entstehen nicht durch die Farbe selbst, sondern durch eine unzureichende Vorbereitung.
Bevor gestrichen wird, sollten Wände immer kurz überprüft und vorbereitet werden. Dazu gehören zum Beispiel:
🔧 Bohrlöcher verspachteln
🧽 Staub und Verschmutzungen entfernen
📏 Risse oder kleine Schäden ausbessern
Wenn diese Schritte ausgelassen werden, bleiben alte Spuren oft auch nach dem Streichen sichtbar.
Zu individuelle Farbwahl
Ein weiterer Fehler besteht darin, sehr persönliche oder auffällige Farben zu wählen. Während solche Farben für einzelne Bewohner gut funktionieren können, erschweren sie häufig die Neuvermietung.
Interessent:innen können sich in neutralen Räumen meist leichter vorstellen, selbst dort zu wohnen. Deshalb sind dezente und zeitlose Farbtöne für Mietwohnungen meist die bessere Wahl.
Fazit
Ob eine Wohnung vor der Vermietung gestrichen werden sollte, hängt stark vom Zustand der Wände ab. In vielen Fällen kann ein frischer Anstrich eine Wohnung deutlich aufwerten und bei Besichtigungen einen besseren Eindruck hinterlassen.
Gerade wenn Wände stark genutzt wurden, auffällige Farben vorhanden sind oder die letzte Renovierung schon einige Jahre zurückliegt, lohnt sich ein neuer Anstrich oft. Gleichzeitig ist es nicht immer notwendig, jede Wohnung automatisch neu zu streichen.
Wenn du den Zustand der Wände realistisch einschätzt und auf neutrale Farben sowie hochwertige Materialien setzt, kannst du mit überschaubarem Aufwand eine deutlich bessere Wirkung erzielen.
Lesetipp: Wohnung für Vermietung vorbereiten – Checkliste für Vermieter
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